Kunsthandwerkliche Textilgestaltung

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Historisches Design - Neuzeit

⇒ EUROPA - Frühe Neuzeit: Renaissance - Reformation, Dreißigjähriger Krieg - Barock - Rokoko
⇒ EUROPA - Moderne: Empire - Biedermeier - Korsett, Krinoline, Tournüre - nach dem Ersten Weltkrieg, Goldene Zwanziger Jahre - nach dem Zweiten Weltkrieg


Zeiträume sind wie geografische Räume dadurch gekennzeichnet, dass bestimmte Merkmale gehäuft auftreten und so die Epoche prägen. Geografisch kann es bei der Entwicklung zu Verschiebungen kommen, weshalb die Zeitangaben nur als grobe Orientierung dienen können. - Vereinfacht datiert man den Beginn der "Neuzeit" um 1500. Wichtige Veränderungen brachten beispielsweise die Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen, die Erfindung des Buchdrucks um 1450, die Entdeckung Amerikas 1492, der Wechsel vom geozentrischen zum heliozentrischen Weltbild mit der Sonne im Mittelpunkt und der Beginn der Reformation. Die "Frühe Neuzeit" endet mit der Französischen Revolution 1789. Ihr folgt die "Späte Neuzeit bzw. Moderne" mit Aufklärung, Säkularisierung, industrieller Revolution und den beiden Weltkriegen. Charakteristisch für die "Zeitgeschichte" ist, dass es noch lebende Zeitzeugen gibt.


. Frühe Neuzeit (16. - 18. Jahrhundert)

RENAISSANCE:
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Nachdem man wichtige Texte der Antike wiederentdeckt hatte, bemühte man sich ausgehend von den Städten Norditaliens um eine Wiederbelebung der antiken Kultur. Das Interesse richtete sich aber auch auf die Erforschung des Diesseits mit neuen Erkenntnissen beispielsweise in der Anatomie.

Maximilian I. Elisabeth I.
Albrecht Dürer: Kaiser Maximilian I. (1519) · (Bild: Wikipedia)
Elisabeth I., Königin von England (1588) · (Bild: Wikipedia)

REFORMATION, DREISSIGJÄHRIGER KRIEG:
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Der Ablasshandel zum Sammeln von Geldern für den Bau des Petersdoms in Rom brachte das Fass zum Überlaufen. Glaubenskämpfe zwischen Katholiken und Protestanten, aber auch die Angst vor der Pest und die Bedrohung durch die muslimischen Türken auf dem Balkan brachten Verwüstungen und den Ruf nach Strenge, Zucht und Ordnung - um Gottes Zorn nicht zu provozieren.

Katherina von Bora Maximilian I. von Bayern
Lukas Cranach d. Ältere: Katharina von Bora, Ehefrau Martin Luthers (um 1526) · (Bild: Wikipedia)
Joachim v. Sandrart: Maximilian I., Herzog von Bayern, Katholische Liga (1643) · (Bild: Wikipedia)

BAROCK:
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Ab dem Ende des 16. Jahrhunderts brachte der Barock in katholischen Ländern Pracht und Prunkentfaltung auf der Basis einer absolutistischen Herrschaft. Er zeigte sich vor allem in der Architektur, aber auch in der Kleidung. Die Mode orientierte sich am französischen Königshof in Versailles.

Ludwig XIV.
Hyacinthe Rigaud: Ludwig XIV., König von Frankreich (1701) · (Bild: Wikipedia)

ROKOKO:
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Das Rokoko brachte nochmals eine Übersteigerung des Spätbarocks. Der Name ist abgeleitet vom französischen "Rocaille" und bezeichnet ein damals beliebtes Muschelornament, das nun anders als im Barock asymmetrisch angeordnet wurde. Man liebte auch das Exotische - darunter chinesisches Porzellan, Schokolade und Kaffee, das der Überseehandel ins Land brachte.

Pompadour Maximilian I. von Bayern
Francois Boucher: Madame de Pompadour, Mätresse Ludwigs XV., König von Frankreich (1756) · (Bild: Wikipedia)
Vigée-Lebrun: Marie Antoinette, Königin von Frankreich (1778) · (Bild: Wikipedia)



. Späte Neuzeit, Moderne (19./20. Jahrhundert)

EMPIRE:
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Immer größere Verschwendungssucht auf seiten der Obrigkeit und immer größere Armut auf seiten der Untertanen führten 1789 zur Französischen Revolution, die vielen unter der Guillotine den Kopf kostete. In der Männermode setzte sich der unbestickte Anzug mit Weste durch und blieb bis heute erhalten. Die Damen der Napoleonischen Zeit trugen schlichten, und dennoch teuren Batist und gerne auch einen Kaschmirschal aus Indien.

Pauline
Johann Baptist Lampi d. Ältere: Pauline Fürstin von Schwarzenberg (1812) · (Bild: Wikipedia)

BIEDERMEIER:
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Die Zeit zwischen dem Wiener Kongress 1815 nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und der bürgerlichen Revolution im März 1848 wird in Deutschland Biedermeier genannt. Man wollte sich gerne ins Private und in die Idylle zurückziehen. Zeitgleich ist der "Vormärz", der auf die Entwicklung zur Revolution hinweist. Durch die Industrielle Revolution gab es nun ein reiches Bürgertum, das seinen Reichtum auch zur Schau stellen wollte.

Sophie Maximilian I. von Bayern
Joseph Kriehuber: Sophie Friederike von Bayern, Erzherzogin von Österreich (1836) · (Bild: Wikipedia)
Dandys mit Gehrock und Zylinder (um 1830) · (Bild: Wikipedia)

KORSETT, KRINOLINE, TOURNÜRE:
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Zwischen 1830 und 1870 entwickelte sich als Schönheitsideal für den weiblichen Körper die Form einer Sanduhr mit möglichst kleiner Taillenweite. Das entsprechende Korsett hatte massive Auswirkungen auf die Gesundheit, da innere Organe verschoben, die Rippen verformt und die Muskulatur nicht entwickelt wurden. Der Reifrock kam nach 1830 als Krinoline zurück in die Frauenmode und löste das Tragen mehrerer Unterröcke aus Stoff ab. Zunächst experimentierte man mit Fischbein und aufblasbaren Gummischläuchen, ab 1856 setzte sich eine englische Konstruktion aus Stahlbändern durch. Um 1868 erreichte die Krinoline mit einem Saumumfang von sechs bis acht Metern ihre üppigste Weite. Um 1870 wurde die Krinoline von der Tournüre abgelöst, die den Rock nur noch über dem Gesäß aufbauschte.

Elisabeth Tournüre
Franz Xaver Winterhalter: Kaiserin Elisabeth (1865) · (Bild: Wikipedia)
Pierre-Auguste Renoire: La Parisienne (1874) · (Bild: Wikipedia)

NACH DEM ERSTEN WELTKRIEG, GOLDENE ZWANZIGER JAHRE:
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Im Ersten Weltkrieg hatten Frauen in manchen Funktionen die Männer ersetzen müssen. Die Frauenbewegung forderte nun das Wahlrecht für Frauen und Reformbewegungen setzten sich für Gesundheit und eine Kleiderreform ein. Die Goldenen Zwanziger Jahre brachten einen Wirtschaftsaufschwung. Man tanzte Charleston, Bubikopf und die ersten Hosen für Frauen waren Ausdruck einer neuen Freiheit.

Bubikopf Charlestonkleider Tournüre
Louise Brooks, Schauspielerin und Schriftstellerin (1929) · (Bild: Wikipedia)
Charlestonkleider (um 1920) · (Bild: Wikipedia, 1971markus)
Coco Chanel, französische Modeschöpferin (1928) · (Bild: Wikipedia)

NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG:
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Die Ideologie der Nationalsozialisten bedeutete für die bürgerliche Emanzipation inklusive der Frauen einen enormen Rückschritt. Frauen mit vielen Kindern erhielten nun als Auszeichnung ein Mutterkreuz. Abermals ersetzten Frauen im Krieg die abwesenden Männer, aber noch bis in die 1970-er Jahre brauchten sie danach in Westdeutschland für ein eigenes Konto oder Berufstätigkeit das Einverständnis ihrer Ehemänner. In den 1950-er Jahren betonte man in der Frauenmode wieder die Weiblichkeit, aber allmählich eroberten Jeans und T-Shirt aus Amerika kommend die ganze Welt. Es zeigt sich ein Trend zu Unisex-Mode für beide Geschlechter. Kleidervorschriften verlieren an Bedeutung und man mischt Formen, Farben und Einflüsse verschiedener Kulturen. Optisch optimiert wird stattdessen nun direkt der Körper, und Schönheitsoperationen spielen zunehmend eine Rolle.

Jeans+T-Shirt
Jeans und T-Shirt (2008) · (Bild: Wikipedia, Zarajay)

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Christine Ober · Kulturbüro, Textilgestaltung, Verlag · www.co-verlag.de, www.faden-design.de